FOTOESSAYS
GEDANKEN ÜBER PORTRAITFOTOGRAFIE.
ÜBER MENSCHEN.
ÜBER HALTUNG.
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ZEIT
Portraitnotiz 1
Schon einen Tag vor dem Termin war ich im Roten Rathaus unterwegs.
Nicht zum Fotografieren.
Zum Schauen.
Ich suche einen Ort nicht nach seiner Schönheit aus, sondern nach seiner Stimmung. Ich gehe durch die Räume, beobachte, wie das Licht zur Zeit des Shootings fällt, und frage mich, was dieser Ort über den Menschen erzählen könnte, der am nächsten Tag vor meiner Kamera stehen wird.
Im Turm des Roten Rathauses fiel weiches Gegenlicht durch die Fenster. Ich hoffte, dass es am nächsten Tag wieder da sein würde.
Ich hatte Glück.
Franziska Giffey schenkte mir an diesem Tag etwas mehr Zeit als ursprünglich geplant. Genug, um die Ideen umzusetzen, die am Vortag entstanden waren.
Für mich beginnt ein Portrait für FÖDERAL deshalb Tage vor dem eigentlichen Shooting.
Mit Aufmerksamkeit.
Mit Vorbereitung.
Ich lese, höre Interviews, schaue Gespräche um möglichst schnell einen persönlichen Zugang zu finden und eine entspannte Atmosphäre am Set entstehen zu lassen.
Sich Zeit für den Raum, das Licht und vor allem für die Person zu nehmen, ist für mich der Schlüssel zu meiner eigenen Bildsprache.
Ohne ein Gefühl im Bauch für den Menschen und ein freches Grinsen im Kopf gelingen mir keine guten Portraits.
Dafür brauche ich Zeit.
Vor allem in der Vorbereitung, nicht unbedingt beim Fotografieren.
Nicht schneller. Tiefer.
Diese Haltung begleitet auch meine Meisterklasse für Portraitfotografie.