FÖDERAL

eröffnet neue Perspektiven.

Auf den Mensch im Amt.

Und das Amt im Menschen.


Wie porträtiert man einen Menschen, dessen Gesicht jeder kennt?

Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten begegnen uns fast täglich in den Medien. Meist zeigen diese Bilder vor allem eines: das Amt. Mich interessiert etwas anderes. Mich interessiert der Mensch.

Wer politische Verantwortung trägt, bewegt sich in einem Raum aus Erwartungen, Routinen und öffentlicher Wahrnehmung. Auch vor der Kamera entstehen häufig Bilder, deren Wirkung sorgfältig geplant ist. Genau dort setzt FÖDERAL an.

Ich versuche, die Porträtierten für einen Moment aus diesem vertrauten Rahmen zu lösen. Nicht, um das Amt zu inszenieren oder zu entzaubern, sondern um einen Raum entstehen zu lassen, in dem Persönlichkeit sichtbar werden kann. Zwischen Inszenierung und Begegnung, zwischen Rolle und Mensch entstehen Bilder, die unerwartete Perspektiven eröffnen.

So richtet FÖDERAL den Blick auf die Menschen im Amt. Und auf das Amt im Menschen.

Der Anfang dieses Langzeitprojekts war eher zufällig. 2009 bat mich der damalige Fotochefredakteur des STERN, kurzfristig um ein titeltaugliches Portrait des Thüringer Ministerpräsidenten. Auf der Suche nach geeignetem Bildmaterial stellte ich überrascht fest, dass es weder in meinem eigenen Archiv noch bei den großen Bildagenturen ein Portrait gab, das den Anforderungen entsprach.

Dies wurde zum Ausgangspunkt von FÖDERAL.

Innerhalb eines Jahres fotografierte ich die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten aller sechzehn Bundesländer. Schon damals stand für mich fest, dass dieses Projekt mit den ersten sechzehn Portraits nicht abgeschlossen sein würde. Seitdem kehre ich bei jedem Amtswechsel zurück und begleite die Veränderungen weiter.

Inzwischen hat FÖDERAL 47 Gesichter.

Mario Voigt Ministerpräsident des Freistaates Thüringen.

fotografiert im Stadtschloss Weimar im September 2025

portraitiert mit meiner Lochbildkamera, analog fotografiert.

Alexander Schweitzer Ministerpräsident Rheinland-Pfalz.

fotografiert auf dem Hambacher Schloss im April 2025

Ich traf Herrn Schweitzer auf dem Hambacher Schloss.


Orte, die für das jeweilige Bundesland stehen, sind ein wichtiger Bestandteil von FÖDERAL. Mich interessieren dabei jedoch keine Kulissen, die ihre Bedeutung auf den ersten Blick preisgeben. Ich suche nach Bildern, in denen ein Ort mitschwingt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Das Hambacher Schloss soll nicht erklärt werden, es soll Teil des Portraits werden.

Vor jedem Termin beschäftige ich mich intensiv mit dem Menschen, den ich fotografiere. Ich lese Interviews, höre Podcasts und versuche, ein Gefühl für die Person zu entwickeln, noch bevor wir uns begegnen. So kann unser erstes Gespräch dort beginnen, wo es interessant wird, nicht bei den üblichen Fragen.

An diesem Tag begleitete mich meine Frau Andrea und fotografierte meine Arbeitsweise. Ihre Bilder zeigen etwas, das sonst verborgen bleibt: Bevor ich die Kamera in die Hand nehme, gehe ich durch den Ort, schaue, beobachte und suche nach dem Raum, der zur Person passt. Oft dauert diese Vorbereitung länger als das eigentliche Fotografieren, für eine Stunde Fotografieren investiere ich für FÖDERAL im Schnitt 7 Tage mit Vor- und Nachbearbeitung.

Besonders spannend finde ich den Vergleich mit den Making-of-Bildern von Andrea, die mit einem Smartphone aufgenommen wurden. Betrachtet man den dunklen Hintergrund beider Aufnahmenm, der der Lochbildkamera und das Handybild, wird deutlich wie unterschiedlich eine analoge Aufnahme und die heute im Smartphone arbeitende Bild-KI denselben Ort interpretieren.

portraitiert mit meiner Lochbildkamera, analog fotografiert.

IM INTERVIEW

mit der wunderbaren Karin Rehn-Kaufmann, Art Director & Chief Representative Leica Galleries International, zu meiner Ausstellung “FÖDERAL” in der Leica Galerie Stuttgart.

IMPRESSIONEN AUSSTELLUNG FÖDERAL
LEICA GALERIE WETZLAR

”Fotografische Porträts sind essenziell für die Inszenierung und Selbstdarstellung von Politik. Ihre Akteure stehen unter dem Druck der ständigen Beobachtung: Mimik, Gestik, Haltung, jedes Detail zählt. Umso größer ist der Wunsch nach dem möglichst perfekten, dem Anlass entsprechenden Bild. Nicht selten entstehen dabei nur plakative, oberflächliche Imagebilder, keine echten Porträts. Der Berliner Fotograf hat einen anderen Weg gewählt: In seinem Langzeitprojekt ist es ihm gelungen, mit innovativen Inszenierungen und unkonventionellen Settings andere, ungewöhnliche Porträts zu finden. Was 2009 mit einem ersten Bild des damaligen Landeschefs Thüringens begann, ist heute zu einer ganzen Galerie regierender und ehemaliger Ministerpräsidentinnen und -präsidenten oder aber im Falle von Berlin, Bremen und Hamburg von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern angewachsen.

Ob schwarzweiß oder farbig, im engen Ausschnitt oder kaum sichtbar in einer ausgefallenen Umgebung und aus spannender Perspektive, ob konturscharf oder in häufig verwendeter Unschärfe, ob im Klein- oder Großformat: Immer sind es individuelle Bildentwürfe, weit entfernt von oberflächlicher Glätte. Interessiert hat den Fotografen an seinem Gegenüber der Mensch hinter der Maske, der sich für den entscheidenden Moment im Porträt möglichst authentisch zeigt. Die Auswahl belegt, wie überraschend vielfältig Schleser immer wieder aufs Neue mit Neugier und Charme die Bewegungsfreiheit der Porträtierten zwischen Pose und Persönlichkeit erkundet hat. Ganz bewusst bringt er die Regierenden aus dem erprobten Takt und ermuntert zum offenen Spiel mit der Kamera. Mit den Motiven bewegt er sich daher abseits üblicher Plakatoptik und schafft im fotografischen Dialog unerwartete, neue Sichtweisen.”

Einladungstext zur Ausstellung “FÖDERAL” in der Leica Galerie Wetzlar 2024.